
Wo unser
Kaffee beginnt
Nataliya und Andreas zu Besuch bei COCOCA in Burundi
Die meisten Menschen, die seinen Kaffee trinken, werden Luis Nsimiraimana nie kennenlernen. Und trotzdem gehört er zur Geschichte ihrer Tasse Kaffee.
Luis ist Präsident der Kaffeekooperative Dusubizitekikawa in Burundi. Von hier stammt der Rohkaffee für unseren Café du Burundi. Vor wenigen Wochen haben WeltPartner-Vorständin Nataliya Yarmolenko und Einkaufsleiter Andreas die Kooperative besucht.
Sie waren auf den Kaffeefeldern unterwegs, sprachen mit Produzierenden und Verantwortlichen von COCOCA und konnten sehen, wie sich der Kaffeeanbau verändert. Im Mittelpunkt stand dabei ein Thema, an dem WeltPartner und COCOCA seit Jahren gemeinsam arbeiten: Kaffeeanbau mit Zukunft.

Kaffee wächst hier nicht allein
Wer durch die Kaffeefelder geht, sieht schnell, was damit gemeint ist. Zwischen den Kaffeepflanzen wachsen Bananenstauden, Papayabäume und weitere Nutzpflanzen. Unterschiedliche Pflanzen und Bäume teilen sich eine Fläche und erfüllen dabei verschiedene Funktionen.
Für die Familien hat das einen ganz praktischen Nutzen. Während Kaffee vor allem Einkommen bringt, liefern andere Kulturen Lebensmittel für die eigene Versorgung. Gerade bei stark gestiegenen Lebensmittelpreisen kann diese Vielfalt auf den Feldern helfen, die Abhängigkeit vom Zukauf von Lebensmitteln zu verringern.
Auch Luis erlebt die Veränderungen auf den Flächen seiner Kooperative:
„Wenn Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern ihre Felder bewirtschaften, finden sie dort auch Lebensmittel für ihre Familien.“
Er berichtet außerdem, dass die zusätzlichen Bäume und Nutzpflanzen nach den Erfahrungen der Kooperative positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Kaffeekirschen haben. Sein Wunsch: Agroforst soll sich in weiteren Kaffeekooperativen Burundis verbreiten.

13.500 Familien, 18 Kooperativen
Seit 2014 arbeitet WeltPartner mit COCOCA zusammen. Heute profitieren 13.500 Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern mit ihren Familien in 18 COCOCA-Kooperativen von dem gemeinsamen Agroforst-Projekt.
Ein wichtiger Bestandteil sind Schulungsflächen. Dort wird praktisch vermittelt, wie Kaffee mit Bäumen und weiteren Nutzpflanzen kombiniert werden kann. Agro-Technicians begleiten die Produzierenden dabei, die Methoden auf die eigenen Felder zu übertragen.
Dahinter steht eine große Herausforderung. Burundi ist dicht besiedelt, landwirtschaftliche Flächen sind knapp und Entwaldung sowie der Verlust fruchtbarer Böden setzen der Landwirtschaft zu. Gleichzeitig verändern sich durch den Klimawandel die Bedingungen für den Kaffeeanbau.
Agroforst setzt an mehreren dieser Punkte gleichzeitig an. Bäume bringen zusätzliche Vegetation auf die Flächen. Pflanzenreste können als Mulch eingesetzt werden und helfen dabei, den Boden zu bedecken. Verschiedene Nutzpflanzen verbreitern die Eigenversorgung der Familien. Der Kaffee bleibt gleichzeitig eine wichtige Einkommensquelle.
Für Nataliya und Andreas wurde auf der Reise sichtbar, was hinter dem Begriff „Agroforst“ ganz konkret steckt: viele kleine landwirtschaftliche Flächen, die vielfältiger bewirtschaftet werden – und Familien, die ihren Kaffeeanbau Schritt für Schritt an veränderte Bedingungen anpassen.

Viele Hände für eine Tasse Kaffee
Die Reise führte Nataliya und Andreas aber nicht nur auf die Felder.
Sie begleiteten verschiedene Stationen rund um Ernte und Aufbereitung und begegneten dabei vielen Menschen, deren Arbeit später in einer Packung Kaffee kaum noch sichtbar ist.
Besonders präsent war die Arbeit der Frauen. Sie pflücken und sortieren Kaffeekirschen und übernehmen wichtige Arbeitsschritte bei der weiteren Aufbereitung.
Eine Tasse Kaffee ist für uns schnell zubereitet. Am Anfang dieser Tasse stehen dagegen viel Handarbeit, Erfahrung und Zeit.
Das persönlich zu erleben, gehört für WeltPartner zu einer direkten Handelsbeziehung dazu. Bei Besuchen geht es deshalb nicht allein um Erntemengen, Qualität oder die nächste Bestellung. Nataliya und Andreas konnten mit den Menschen vor Ort darüber sprechen, was funktioniert, wo Herausforderungen liegen und wie sich die Zusammenarbeit weiterentwickeln kann.
Was von einer Reise bleibt
Und dann waren da die Momente zwischen all den Gesprächen über Kaffee, Agroforst und wirtschaftliche Perspektiven.
Gemeinsames Essen, Musik, Lachen und Tanzen gehörten ebenso zur Reise wie die fachlichen Gespräche.
Nataliya und Andreas erlebten viel Offenheit und Gemeinschaft – gleichzeitig in einem Land, in dem viele Menschen unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen leben.
Einen Gedanken nahm Nataliya besonders mit nach Hause:
„Diese Reise erinnert mich daran, dass Lebensqualität nicht nur von Wohlstand abhängt. Sondern auch davon, ob Menschen sich verbunden fühlen.“
Auch solche Begegnungen gehören für uns zu einer Partnerschaft. Denn direkter Handel bedeutet, die Menschen hinter unseren Produkten zu kennen, einander zuzuhören und über viele Jahre miteinander im Austausch zu bleiben.

Von Burundi nach Baden-Württemberg
Nur wenige Wochen später war der Café du Burundi wieder Thema – dieses Mal mehr als 6.000 Kilometer entfernt.
Auf der Landesgartenschau in Ellwangen eröffnete Nataliya die Ausstellung „Café du Burundi – Kaffee, Partnerschaft, Verantwortung“. Kurz zuvor hatte sie gemeinsam mit Andreas noch dort gestanden, wo dieser Kaffee wächst.
Dass sich diese beiden Orte begegnen, hat noch eine weitere Verbindung: Seit 2014 verbindet Baden-Württemberg und Burundi eine offizielle Landespartnerschaft. In diesem Rahmen werden Projekte in Burundi unterstützt – darunter auch das Agroforst-Projekt von WeltPartner und COCOCA.
Aus einer politischen Partnerschaft wird damit etwas sehr Konkretes: Bäume auf Kaffeefeldern, Wissen, das zwischen Produzierenden weitergegeben wird, und Kaffee, der schließlich in Baden-Württemberg getrunken wird.

Mit Kleinen Großes bewirken
Was Nataliya und Andreas aus Burundi mitgebracht haben, passt ziemlich genau zu dem, wofür WeltPartner steht.
Agroforst ist kein einzelnes großes Projekt, das von heute auf morgen alles verändert. Es sind viele Produzierende, die ihre Felder weiterentwickeln. Viele Bäume und Nutzpflanzen, die neu hinzukommen. Wissen, das von einer Schulungsfläche auf das nächste Feld gelangt. Und eine Handelspartnerschaft, die seit vielen Jahren besteht.
Luis wünscht sich, dass Agroforst künftig in allen Kaffeekooperativen Burundis eine Rolle spielt.
Ob das gelingt, entscheidet sich vor Ort. Aber auch unsere Tasse Kaffee hier ist Teil dieser Geschichte. Denn am Anfang unseres Café du Burundi stehen Menschen wie Luis und die Mitglieder von Dusubizitekikawa.
Und seit dieser Reise kennen Nataliya und Andreas einige von ihnen persönlich.


